Es sind oft ganz kleine Dinge, die einen glauben machen, dass die Welt aus den Fugen gerät. Im Gegensatz zu diversen größeren Katastrophen ist das ein erstaunlich gutes Gefühl. Ich erinnere mich an meine Rückkehr aus Minsk. Im Prinzip war nach dieser Reise sowieso nichts mehr wie vorher. Ich suchte den McDonald's Nähe Westbahnhof in der Mariahilferstraße auf. Allein, dass dort die gesamte Belegschaft einen derartigen Lenz zog - ich möchte niemand Faulheit vorwerfen, aber die Bedienung ging mit einer derartigen Gelassenheit wenn nicht Wurschtigkeit und Langsamkeit im Gegensatz zum sonstigen Stress von sich - ließ mich glauben, dass während meiner zweiwöchigen Abwesenheit sich die ganze Stadt verändert hätte. Es ist schon ein gutes Gefühl, wenn Fassaden bröckeln. Oder wenn man zumindest glaubt, dass sie es tun.
Heute war wieder so ein Tag. Ich warte auf die Bim und sie kommt nicht. Also nicht einfach so nicht sondern ca. 40 Minuten nicht. Der J will einfach nicht auftauchen während drei mal der 5er vorbeifährt (ja die 5er-Frequenz ist auch nicht berauschend). Da ist wieder dieses Gefühl, dass etwas zu funktionieren aufhört. Vielleicht kommt der J nie wieder. Ich mache mich zu Fuss auf den Weg. Esse ein Eis. Nähere mich dem Ring. Straßensperren. Links vom Rathaus dröhnt eine Lifeballarie. Vor mir eine etwas seltsame Demonstration. Von einem Sturm oder Marsch kann keine Rede sein. Vor dem Parlament sitzen Punks und trinken Bier unter Aufsicht von Robocops. Getrunken werden Ottakringer Dosen palettenweise. Wobei ich mit Paletten nicht diese langweiligen eingeschweißten Kartons mit 24 Einheiten meine. Nein, ich rede von Euro-Paletten. Also ca. 24 x 24.
Die Punks haben auch Autos, mit deutschen Kennzeichen. Das sind vermutlich die, die laut heute das alles organisieren. Find ich gut, so eine Veranstaltung will ja auch mit deutscher Gründlichkeit organisiert sein, sonst endet das alles womöglich noch in autonomem Chaos.
Ich gehe weiter, der Ring immer noch gesperrt, aber leer. Ich balanciere auf dem Mittelstreifen. Plötzlich queren vor mit 2000 Radfahrer und Rollerscater den Ring, begleitet von ähnlich viel Polizei wie die Punks vorher. Offensichtlich haben die Grünen etwas gegen diese Prozession, denn ein Pick-Up mit grünem Wimpel bzw. eigentlich schon Flagge verfolgt sie.
Mir kommt die Rosa-Disko-Bim-des-Todes entgegen. Sie will Party-Volk ins Ratshaus karren. An den Punks werden sie allerdings nicht vorbeikommen. Schlecht geplant.
Weiter am Ring, die Lage beruhigt sich, sprich Stau. Der 2er fährt in 22 Minuten. Ich überlege, ob ich eine Citybike nehmen soll, aber mir ist noch schlecht von dem Eis. Trotzdem ging es mir nie besser.
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