Ist wieder einmal Zeit fuer eine Polemik.
Fritzl ist das Grauen einer Generation, die sich selbst verbunkert hat. In den Kellern, die aus Angst vor dem grossen Knall im Kalten Krieg gebaut wurden, wurden gleich die Gedanken an eine noch schlimmere Vergangenheit mitbegraben. Ein Nachkriegsbiedermeier, in dem man sich nicht nur in die eigenen vier Waende, sondern gleich in den eigenen Keller zurueckzog. Der eiserne Vorhang fiel, der Bunker blieb. Platz zum Eisenbahnspielen, Tischtennisspielen, oder noch besser: Kellerbar. Beides, Traeume und Grauen, lebte man nicht an der Oberflaeche aus. Das Einfamilienhaus darueber stellt etwas anderes dar, naemlich das dazwischen: Die Normalitaet. Das Verbrechen im Geheimen ist auch ein Zeichen dieser Zeit. Und Fritzl ein Auslaeufer.
Der Columbine-Amoklauf und andere Verbrechen einer juengeren Generation zeichnen ein anderes Bild. Die Gewalt ist oeffentlich, sie wird mitunter medial angekuendigt, via CCTV oder mit Handys dokumentiert. Noch nicht live, aber das kommt noch. Computerspiele tragen nicht die "Schuld" an diesem Grauen, ihre Aesthetik findet sich nur in der Realitaet der Verbrechen wider, weil sie in der gesellschaftlichen Realitaet der Jugendlichen eine Rolle spielen. So wie der Bunker ein Teil der Realitaet unserer Eltern und Grosseltern war. Der Trugschluss und das Herstellen einer Kausalitaet bzw. das Finden des Schuldigen im Computerspiel ist freilich verfuehrerischer, weil Counterstrike einfach "lebendiger" ist als ein Keller. Beidem, Bunker und Counterstrike, ist Gewalt inhaerent.
Khalil Gibran habe ich an dieser Stelle schon zitiert.
So wie der Heilige und der Gerechte nicht ueber das Hoechste hinauswachsen koennen, das jeder von euch in sich birgt, Ebenso koennen der Boese und der Schwache nicht tiefer als das Niedrigste fallen, was ebenfalls in euch liegt.