Sarkozy, Merkel und die EU-Finanzminister machen an einem Wochenende in einer Nacht- und Nebelaktion 600 Milliarden Euro locker. Das ist aber nicht für Arme oder damit wir alle was zu Essen haben oder für jeden ein gratis iPad beim Abschließen eines Bausparvertrags, sondern ein Signal an Börsenspekulanten zur Marktstabilisierung. Konkret wird das wohl heissen: Sollte es nach Griechenland z.B. Spanien, Portugal oder Österreich erwischen, bekommt das Land dankenswerterweise neue Kredite, um einen Teil der Schulden bezahlen zu können, sichert dem IWF im Gegenzug aber eine Privatisierungswelle, Steuererhöhungen und massive Kürzungen von Sozialleistungen zu. Als Zuckerl darf sich die Bevölkerung des betroffenen Landes ab dann offiziell als faul bezeichnen lassen, weil sie es nicht aus eigener Kraft geschafft haben (alternativ sind die Griechen an allem schuld).
Werden die 600 Milliarden schlagend, wird um das Geld reinzubringen in den nicht betroffenen EU-Ländern ebenfalls privatisiert, es werden Steuern erhöht und die Sozialleistungen gestrichen.
Zudem hat das den "Vorteil", dass es durch die Währungsunion in einzelnen Ländern zu keiner Geldentwertung kommen kann und dadurch die Schulden/Kredite von Normalsterblichen nicht inflationsbedingt weniger werden würden.
Ja darf denn das war sein??
Schön langsam wird es fad, dieses Buch zu zitieren, aber immer und immer wieder kommt mir Kleins Schock-Doktrin in den Sinn. In Analogie dazu: Während wir von der Griechenlandkatastrophe gelähmt sind (zuerst die Pleite, dann kurzes Aufbegehren, doch dann sprichwörtliche Totenstille), werden in einem m.A. nach zutiefst undemokratischen Prozess Weichen gestellt, die sich noch gewaltig zum Nachteil für sehr viele von uns herausstellen werden.
Und: Unter dem Vorwand Kinderpornographie und Urheberrecht wird ein digitaler Überwachungsstaat installiert. Während die Spassgesellschaft die EM 2008 feiert, können Robocops unauffällig für den Polizeistaat üben und Geräte testen.
Dazu nur nebenbei: Während in anderen europäischen Städten (z.B. Paris) im 19. Jahrhundert schon viel früher die städtischen Verteigungsanlagen und Stadtmauern geschliffen wurden, blieb die Ringmauer in Wien noch lange stehen. Offiziell freilich gegen eine Bedrohung von aussen. Nachweislich jedoch, um die Innenstadt effizient überwachen oder im Ernstfall bei einer Bedrohung von "innen" (sprich das Volk) abriegeln zu können.
Owner: Walter Last edited on May 9, 2010 23:54 by Walter / Views: 2882

