Occupy Occupy

Teilweise gespannt, aber auch teilweise nicht ohne (zugegeben zynische) Belustigung beobachte ich momentan die Diskussionen rund um Occupy Austria. Derzeit sammle und ordne ich noch Gedanken.

Franz Hörmann schreibt heute
"Diese Bewegungen (also Occupy) besitzen (noch) keinerlei zentrale Struktur oder Programm, keine formale Mitgliedschaft und keine formelle Führungsstrukturen..."

Auch von weniger prominenten Zeitgenossen fallen mir Meldungen auf, die sich fragen, wie man die Occupy-Bewegung formalisieren kann (z.B. Vereinsgründung, Partei o.ä.). Auf der Occupy-Austria-Facebook-Seite wird gefordert, dass sich die Administratoren zu erkennen geben.

Spannend insofern, wenn man das mit #unibrennt vergleicht. Uni-Vertreter, Medien und Politik verlangten nach "Vertretern", nach Individuen für Gespräche. #unibrennt ist aber bewusst nur als gesichtsloses Kollektiv zu Interviews und Gesprächen angetreten. (vgl. dazu auch die hervorragenden Texte von Jana Herwig und anderen, auch in Bezug auf #anonymous). (siehe auch unibrennt-querlesen)

Frei nach Deleuze sehe ich die Occupy-Bewegung durch die momentane Diskussion nicht in Gefahr, ganz im Gegenteil. Jeder Versuch der Formalisierung, der Vereinnahmung oder auch der Denunzierung führt zur Selbstentlarvung derer, die das tun.

Die inhärente Hierarchie einer Facebook-Seite entlarvt sie selbst als nicht geeignetes Kommunkations- und Organisationstool einer Graswurzelbewegung.

Die Presse entlarvt sich selbst, wenn sie von Occupy konkrete Forderungen einfordert, aber es nicht der Mühe wert findet, möglicherweise journalistisch recherchierend herauszufinden, ob es diese nicht eh gibt.

Herr Hörmann entlarvt sich selbst, wenn er eine neue Gesellschaftsform heraufbeschwören will, aber im selben Atemzug bzgl. Occupy von "zentraler Struktur", "formaler Mitgliedschaft" und "formellen Führungsstrukturen" redet.

Persönlich bin ich nicht der Meinung, dass es sinnvoll ist, sich mit einem bestehenden System zu arrangieren, um es von innen heraus zu verändern. Wenn man als Mensch (oder sei es als Hund) in ein Haifischbecken springt, wird man dadurch nicht selbst zum Hai.

Und zu guter Letzt: Entlarvend finde ich auch die Diskussion bzgl. Antisemitismus und rechte Vereinnahmung rund um Occupy und Franz Hörmann.

Im Prinzip ist eine späte, aber dann doch reflexartige Distanzierung vom Antisemitismus u.a. bei angelegtem medialen Fallstrick ein Zeichen von Unwissenheit, Naivität oder Kalkül. Unwissenheit und Naivität in dem Sinn, dass es am Bewußtsein für die Problematik fehlt und man sich ja nicht als Antisemit fühlt (vgl. z.b. "Ich bin bestimmt kein Rassist, aber ...").

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