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Spannend, die Audimax-Besetzung. Nach einigen Tagen des Beobachtens reifen in mir die ersten polemischen Gedanken.
In der Geschichte des studentischen Protests ist das Audimax ja schön aufgeladen. Früher hat sich der Protest allerdings anders artikuliert. Gegen eine heuchlerische, biedere Elite half irgendwann nur mehr: Ausziehen und Reinscheissen. Wenn sich Günter Brus im Audimax auszieht, ist das auch eine Form von Transparenz. In dem Fall auch gegen ein Nachkriegsestablishment, das sich vor allem im Zudecken auszeichnet. Transparenz heute stellt den Protestkörper 24/7 im Netz aus.
Die reine Provokation würde der ebensolchen heute nicht weniger heuchlerischen und biederen Elite nur ungewollt in die Hände spielen: Nämlich bei der stattfindenden professionell aufgezogenen Denunzierung des politischen Gegners. Dieser Kunstgriff erlaubt es, sich gekonnt der inhaltlichen Debatte zu entziehen. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten: Lächerlich machen (twitternder Party-Flashmob) oder in ein gefährliches Eck stellen (bis zum Terrorismus). Grundsätzlich geht es um die Opposition zweier Denkmuster. Graswurzelansatz und hierarchische Ordnung. Organloser Körper und Staatsapparat. Nomaden und Bauern. Tipi und Haus.
Die Besetzung des Audimax ist ein Zeiger, eine Bruchstelle. Das Live-Streaming reisst eine Wunde in den medialen Apparat, weil es keine eisensteinsche Inszenierung zulässt. Während sich das Mordor-Auge der medialen Aufmerksamkeit bei Kathrina oder Pariser Vorstadtunruhen verschähmt abwendet, sobald der Blick auf die erhabene Katastrophe selbst (die Verwüstung, das brennende Auto) den schon vorher existenten sozialen Wahnsinn erhascht, wird das Audimax selbst zum Sender. Natürlich kann wer will auch das leicht ins Lächerliche ziehen: Die zeitweilige Banalität gegenüber der redaktionellen Auswahl. Das scheinbar Amateurhafte gegenüber dem Sendeprofi.




