Komme nach langem wieder dazu, Kluges "Die Lücke, die der Teufel lässt" weiterzulesen. Ich musste damals damit aufhören, weil die Geschichten so sehr dazu verleiten, sie zu glauben. Jetzt sehe ich das anders. Was geschrieben ist, existiert, d.h. was Kluge schreibt, ist wahr. Glauben brauch man es deswegen nicht. Dadurch geht es mir jetzt besser.
Beim Lesen über die Geschichten von Sicherheitskonferenzen und die Revolution dachte ich an Facebook und die CIA, Internetprovider und Überwachungsstaat und Zensur. Folgendes Szenario (staatliche Eingriffe im positiven wie negativen Sinn einmal nicht mitgedacht): Was, wenn ein Äquivalent zum Inhalt+Distributionsmonopol der mediaprint im Online-Bereich entsteht? Auf Österreich bezogen: Was, wenn mediaprint UPC (Internetprovider=Onlinedistribution) kaufen würde? Dürften die das? Gibt's das schon wo (man müsste jetzt nachschauen, was Murdoch und Burda so treiben, aber ich hab grad keine Zeit)? Fortsetzung.
Vorher. Weiter im Text: Compuserve, MSN und andere Gehversuche in den 90ern mögen auf den ersten Blick in die Richtung dieser Zugang+Content-Provider gehen. Ähnlich die Walled Gardens der Mobilfunkbetreiber. Warum Sie scheiterten? Das Konzept beruhte darauf, dass sie glaubten, von vorneherein aus der Verschränkung von Zugang und Content einen Vorteil ziehen zu können. Sie verhielten sich wie Monopole, die keine waren, außer in ihrer eigenen Welt. Die Konsumenten konnten ausbrechen, weil es eine Alternative gab: ISPs beschränkten sich auf die Zurverfügungstellung des Zugangs zu nicht von ihnen bestimmten Content (=Internet), auch wenn sie das wie die Telekom u.a. zu Beginn eher nebenbei anboten und die User in Wahrheit genauso auf dem eigenen Portal halten wollten (wobei Portal=Tor also so gesehen von vorneherein Unsinn). Ich schweife ab.
Im Gegensatz zu den vorher Erwähnten entstand mediaprint umgekehrt, die jetzige Medienkonzentration ging aus einer vorher bestehenden (ansatzweisen) Vielfalt durch Akquisitionen hervor. D.h. schrittweise ging vom Zeitungskäufer unbemerkt die Bandbreite an Meinungen verloren, ein Trugbild von Vielfalt bleibt durch Marken erhalten. Der Zeitungsständer an der Kassa deiner Lieblings-Gourmet-Spar-Filiale gaukelt dir eine Auswahl vor, die du nicht hast. In Wahrheit hast du keine Wahl mehr. Das mediaprint-Zeitungsregal ist der fleischgewordene, monopolistische Content-Distributionskanal, ein After, das Pressemeldungen ausscheidet.
Siehe Teil 1 und 2. Übrigens leben ISPs noch immer in dem Glauben, der technische Fortschritt (=Bandbreitenerhöhung) laufe dem Content (=Traffic) davon. Das Produzieren von Content durch ISPs hat also nicht nur mit Monopolstreben zu tun, sondern ganz einfach mit der Angst, die Investition in erhöhte Bandbreitenkapazität würde sich wegen Inhaltemangels nicht rechnen. Phantasielosigkeit, die sich rächt: Entweder die Investition erfolgt nicht oder zusätzlich wird Geld in genauso phantasielos selbst produzierten Content gesteckt anstatt sich auf Kernkompetenzen zu konzentrieren. Das ist übrigens nicht empirisch belegt.